Besserer Sex

Lang lebe die Liebe!
... oder warum wir nie wieder Single sein wollen

Alle sind sie jetzt bei Tinder. Die Freunde, die Kollegen und bestimmt die Hälfte der Leute, mit denen man sich morgens in die überfüllte U-Bahn quetscht. Es wird casual gedatet. Die klassische Langzeitbeziehung, die die heiße Studentenflirts, die Armut der allmonatlichen Karotten-und-Miracoli-Woche, neue Jobs, neue Städte, neue Leben überstanden hat, scheint vom Aussterben bedroht. Und wer hat eigentlich damit angefangen, zu behaupten, dass eine gewisse Routine und Eingespieltheit das Prickeln tötet? Wir haben uns zum Ziel gesetzt, euch wieder die Vorzüge der jahrelangen - oder sogar immerwährenden - monogamen Ergebenheit vor Augen zu führen und mit dem Gerücht aufzuräumen, dass Sex mit demselben Partner automatisch irgendwann langweilt. Damit  ihr euch endlich wieder traut, euch nicht nur Hals über Kopf zu verlieben – sondern auch verliebt zu bleiben.

© Can Stock Photo Inc. - deandrobot

"Rumfahren und nicht ankommen" – besser bekannt als betrunkener Post-Party-Sex

Unter Singles gehört es eigentlich schon zum guten Ton, nach einer Party leicht angeheitert mit einem hübschen Exemplar des anderen Geschlechts "zu mir oder zu dir" zu verschwinden. Doch bevor man soweit ist, werden noch fleißig Cocktails, Biere, Jägermeister und Tequila gekippt. Es lockert die Stimmung, ja, und macht einen wagemutiger. Aber hat man das Objekt der Begierde endlich nackt zwischen den Laken, ist plötzlich nichts mehr, wie es in der berauschten Fantasie war. Man strengt sich an, wechselt akrobatisch die Stellungen, versucht sich gegenseitig leidenschaftlich zum Höhepunkt zu stöhnen – nichts passiert. Nach einer halben Stunde merkt man, dass es sich langsam nicht mehr so gut anfühlt untenrum, ein bisschen wund vielleicht. Aber aufhören? Wie peinlich! Lieber schnell zu Ende vortäuschen, flüchtig küssen und hoffen, dass Frühstück kein Thema sein wird.

In einer langen Beziehung sind die Grenzen zwischen "meine Freunde" und "deine Freunde" seit Jahren schon irgendwie verwischt. Vielleicht wart ihr auch schon als Kuppler-Team erfolgreich und habt die eine oder andere Beziehung zwischen der Bürokollegin und dem Studienfreund zu verantworten? Die Partyvorbereitungen dauern höchstens eine Stunde – duschen und einen Quickie inklusive. Dass du seit drei Monaten nicht mehr beim Waxing warst, interessiert auch nur noch lästernde Teenager im Schwimmbad. Auf der Party müsst du und dein Liebster auch nicht mehr wie am Anfang aufeinander hocken. Zwischendurch mal aneinander vorbeidriften, kurz andocken, weiter geht's – bis ihr im Morgengrauen nach Hause fahrt, um vor dem Schlafengehen noch ein Spiegelei-Bacon-Sandwich in Unterwäsche vor dem Fernseher zu verputzen und jeder unter seiner eigenen Decke den Rausch auszuschlafen.

Tangas, Push-ups und andere Folterinstrumente

Für Singles heißt es in unregelmäßigen Zeitabständen: Okay. Es ist wieder soweit. Der Freund deiner besten Freundin hat einen neuen Fußballkollegen, den sie dir unbedingt vorstellen wollen. Und auch wenn du eigentlich auf der Suche nach etwas Festem bist, stehst du doch der Option auf einen Abend mit Happy End ziemlich aufgeschlossen gegenüber. Schließlich muss man als Single auch sexuell auf seine Kosten kommen. Und so heißt es ab in die Dusche – die Haarentfernung ruft. Es geht in eine angesagte Bar mit strengem Dresscode: 12 cm Absatzhöhe und Rocklänge sind Pflicht. Und auch unten drunter muss alles stimmig sein. Wie gut, dass du extra für diese Anlässe eine ganze Kollektion an pushenden und formenden BHs und klitzekleinen Tangas in der Unterwäscheschublade lagerst. Mit bequem haben diese Dessous nichts mehr zu tun, aber schließlich musst du auch nur ein paar Stunden darin aushalten, bevor sie dir jemand sexy aus der Poritze ziehen darf.

Auch als Teil eines Langzeipaares besitzt du sie noch, die unbequemen sexy Dessous, die nur das nötigste verhüllen. Angezogen hast du sie das letzte Mal am vorletzten Valentinstag, um dich beim Essen darin total unwohl zu fühlen und ständig an deinem Ausschnitt herumzuzerren. Denn aufgefallen sind sie niemandem. Sex hattet ihr an dem Tag schon morgens nach dem Aufstehen, vor dem Mittagessen und nach dem Duschen – und das ganz ohne schicke Unterwäsche als Appetitanreger. Manchmal, wenn du alleine bist, probierst du den Push-up mit roter Spitze und den halb-durchsichtigen String an, drehst dich ein paar Mal vor dem Spiegel und erinnerst dich an das letzte Mal, dass tatsächlich jemandem deine Unterwäsche aufgefallen ist (Wann war das nochmal? In der elften Klasse?). Danach lässt du die unbequemen, unpraktischen Dinger schnell wieder in der Schublade verschwinden und schlüpfst wieder in den blauen Baumwoll-Hipster und den extra-weichen Sport-BH mit leichtem Halt, bedeckt von einem OnePiece – denn wenn du den trägst, kann dein Liebster nie die Finger von dir lassen. Wir wollen hiermit niemandem eine Berechtigung zum Sich-gehen-lassen erteilen. Aber es gibt schick und es gibt schlonz - und beides kann bequem und sexy sein.

Öffentlicher Zungenkuss

Angetrunken im Halbdunkel eines Clubs hat der Zungenkuss zwischen zwei Singles ja etwas verrucht Erotisches. Aber an der Supermarktkasse? Oder mitten auf dem sonntags stark frequentierten Waldweg? Muss vielleicht nicht sein, aber man macht es trotzdem. Schließlich will man nicht gleich am Anfang den "frigide Alte"-Stempel aufgedrückt kriegen. Aber Moment! Ist das ein besonders großes Smartphone, was sich fordernd gegen deine Lenden drückt oder überschreiten eure Zungenspiele gerade die Grenze des Jungendfreien? Du versuchst, einen Gang zurückzuschalten, aber dein Sparringpartner ist so vertieft in die Erforschung deiner Mundhöhle, dass er das gar nicht merkt. Im schlimmsten Fall beißt du ihm in die Zunge oder er leckt dir halb genüsslich, halb erschrocken quer übers Gesicht. Unangenehm. In jeder Hinsicht.

Menschen, die schon eine gewisse Zeit miteinander verbracht haben, sind im Bett, beim Hausputz oder als Comedy-Duo auf Familienfeiern ein eingespieltes Team. Auch was das Küssen mit vollem Körpereinsatz angeht, habt ihr alles Unangenehme und Unausgesprochene längst hinter euch gelassen und wisst, wie weit ihr den Mund öffnen, die Zunge schlängeln oder die Lippen knabbern müsst, um dem Partner etwas bestimmtes zu signalisieren. Und wilde Zungenküsse bedeuten ganz eindeutig: "Zieh dich aus! Schnell! Nur untenrum reicht schon! Loooooos! Ich hab solche Lust auf dich! Jetzt!" Es kann nämlich so einfach sein – und so schön, in jahrelangem Herumprobieren zusammen den perfekten Kuss für jede Gelegenheit zu kreieren.

Performance-Sex

Joggen, Feiern, Vögeln – für Singles scheint alles ein Leistungssport zu sein. Denn wer weiß, vielleicht landet tatsächlich mal ein Traumprinz in deinem Bett. Und wenn du ihm nicht zeigen kannst, wie talentiert und gelenkig du mit deinen Körper und deinem Schmuckkästchen umgehen kannst – wie wird er dich dann zwischen den vielen anderen als Traumprinzessin erkennen? So wird jeder One- oder Mehr-Night-Stand zu einer Sexakrobatik-Performanceshow. Besonders anstrengend wird es, wenn der Mensch am anderen Ende des – wir wollen hier schließlich nicht um den heißen Brei herumreden – Ständers genauso denkt und sein Allerbestes gibt, um dich zu einem phänomenalen Höhepunkt zu bringen – den du aber einfach nicht erreichen willst, weil du damit beschäftigt bist, ihm diesen Höhepunkt zu bereiten, was aber auch nicht gelingen will, weil er… ist klar, oder?

Zu gutem Sex gehört immer eine gesunde Portion Egoismus - vor Allem in einer langen Partnerschaft. Ihr traut euch, das einzufordern, was euch zusteht, ohne dabei den Partner und seine Wünsche zu vernachlässigen. Euer Sex ist mal kurz, mal lang, mal wild, mal zärtlich, mal gut und auch mal schlecht – und trotzdem immer wunderbar. Denn wie auch beim Küssen wisst ihr genau, was der andere will – scheut euch aber nicht davor, auch mal etwas Neues zu wagen. Schon lange seit ihr aus der Phase raus, in der ihr einander etwas beweisen und den anderen mit euren Künsten in der Kiste an euch binden wolltet. Ihr seht den körperlichen Teil eurer Beziehung stets mit einem Augenzwinkern und der nötigen Portion Humor, denn nur so werden aus Flatus Vaginalis und anderen "Ausrutschern" keine Momente für die Wall of Shame.

Badezimmerregeln

Die Horrorvorstellung kennt jeder Single nur zu gut: Morgens in einem fremden Bett aufwachen, ganz dringend mal müssen und das Badezimmer ist besetzt – von jemandem, der gerne lange und ausgiebig duscht. Man liegt, sitzt, steht auf, läuft rum, setzt sich wieder hin, aber es wird nur noch schlimmer. Kein Ende in Sicht. Die Badezimmertür ist nicht abgeschlossen, theoretisch könntest du dich schnell reinschleichen… Vorausgesetzt er hat einen blickdichten Duschvorhang. Und eine geräuscharme Toilettenspülung, die, wenn man sie gleichzeitig mit der laufenden Dusche betätigt, nicht für Verbrühungen beim Duschenden sorgt. Aber das weißt du natürlich nicht, denn schließlich bist du zum ersten Mal in der Wohnung deines Büro-/Fitnessstudio-/Thekenflirts. So heißt es tapfer den Beckenboden zusammenkneifen und hoffen, dass man nicht mit einem allergischen Niesanfall auf die Katze reagiert, die soeben das Schlafzimmer betreten hat.

Es ist die selbstverständlichste Selbstverständlichkeit und routinierteste Routine, die ein Langzeitpaar hat: Morgens gemeinsam ins Bad. Einer duscht, der andere sitzt auf der Toilette und putzt sich dabei die Zähne. Bevor die Spülung betätigt wird, warnt man den Partner, denn lautes Kreischen, weil die Dusche plötzlich kochend heißt ist, ertragen die Ohren so früh am Tag noch nicht. Vielleicht kommentiert man noch den Spargel vom Abendessen, bevor man den Tagesplan durchgeht. Darüber, dass man voreinander private Geschäfte verrichtet, wundert man sich nicht mehr, es ist das normalste der Welt. Sogar Küssen ist auf der Toilette sitzend erlaubt – die Zähne sind ja schließlich frisch geputzt.

Safer Sex - weitergedacht

Wir könnten an dieser Stelle schreiben "Immer mit Gummi!" und die Sache wäre gegessen. Aber wenn wir ehrlich sind, passiert es auch Singles eben doch manchmal ohne. Und deshalb geht es unter diesem Punkt um den etwas anderen Schutz. Manchmal überkommt es einen und man schafft es nicht mehr ins Bett und landet auf dem Sofa, auf dem Teppich oder auf einer anderen schlecht feucht abwischbaren Fläche. Und so schnell, wie man übereinander hergefallen ist, so schnell ist es auch schon vorbei und auf dem Weg zum nächsten Taschentuch oder zur Toilette landet dann etwas auf besagter Fläche, was da nicht landen sollte und nur schwer oder schlimmstenfalls gar nicht wieder rausgeht. Panisch und peinlich berührt, versucht man dann, dem Fleck mit Gallseife, Sprudelwasser, Sagrotan Allzweckreiniger und anderen Geheimwaffen zu Leibe zu rücken – nur um feststellen zu müssen, dass man sich für immer auf dem Leder-Dreisitzer der Eltern des kurzen Abenteuers verewigt hat. Und wenn es mit euch beiden doch noch etwas Ernstes werden sollte, wirst du bis in alle Ewigkeiten familienintern als "Die Auf-dem-Sofa-Ausgelaufene" bekannt sein.

Kondome sind in Langzeitbeziehungen schon lange nur noch eine Notfall-Verhütung, wenn alles andere ausfällt. Und auch wenn ihr in jahrelanger Übung gelernt habt, keine Spuren zu hinterlassen, muss man doch manchmal auf Nummer sicher gehen. Dafür habt ihr euch einen zeitlosen Klassiker angeschafft: Das Sex-Handtuch. Es liegt in der Unterbettschublade, im Schrank oder im Sofakasten und wird immer dann rausgeholt, wenn es droht, besonders schmutzig zu werden. In einem schönen Paisley- oder Blumenmuster gehalten muss man sich sogar nicht dafür schämen, wenn man es im Eifer des Gefechts mal liegen lässt – dann hat man sich halt mal "vor dem Fernseher die Haare abgetrocknet".

Erstellt von: ab

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