Kämpfen wie die Generationen vor ihr musste Aylin Yaren nicht. Als sie mit dem Fußball anfing gab es schon Mädchenmannschaften, ihre Eltern waren auch nie dagegen. Doch das Kicken zwischen zwei Toren war der 21-jährigen Berlinerin nicht genug - seit zwei Jahren macht sie Freestyle-Fußball, "Tricksen", nennt sie es. Dabei geht es darum, möglichst spannend und kunstvoll zu zeigen, wie gut man den Ball unter Kontrolle hat.
Das Ziel eines Fußballspiels ist es ja, den Ball möglichst oft ins Tor zu kriegen – was macht den Reiz des Freestyle-Fußballs aus?
Beim Freestyle-Fußball kannst du deine Fähigkeiten, mit dem Ball umzugehen, zeigen. Ein bisschen so wie im Spiel, wo du auch deine Tricks zur Schau stellst.
Was hält deine Familie von deiner Leidenschaft?
Meine Eltern unterstützen mich schon von klein auf, seit ich als Fünfjährige mit dem Fußball angefangen habe. Eine Zeit lang habe ich ja auch unter Jungs gespielt und später dann zwei Jahre in Schweden. Meine Eltern haben mir immer vertraut und sind sehr beeindruckt und stolz darauf, was ich mache. Und mein Bruder war derjenige, der den Kontakt zu meinem heutigen Management bei "Fußballmarkt" hergestellt hat.
In Internet-Foren ist Frauenfußball ein heiß diskutiertes Thema, dem viele immer noch sehr klischeebefangen gegenüber stehen. Hattest du während deiner bisherigen Laufbahn mit Vorurteilen und Geringschätzung zu kämpfen?
Es gibt schon Leute, die sagen "Frauenfußball - das gehört sich nicht", aber ich persönlich hatte nie mit Vorurteilen zu kämpfen. Ich glaube auch, dass es das heutzutage gar nicht mehr wirklich gibt. Ich habe immer nur positive Erfahrungen gemacht.
Heute wird im Frauenfußball das meiste Geld durch Werbedeals gemacht. Kann man als Profi-Fußballerin davon leben oder ist die Nebeneinkunft durch Freestyle-Show-Auftritte notwendig?
Nur vom Fußball könnte ich nicht leben. Deswegen mache ich ja auch meine Auftritte. Jetzt zur Frauen-WM ist die Auftragslage sehr gut. Diese Chance nutzen auch kleinere Privatfirmen und buchen mich - denn sowas wie die WM im eigenen Land kommt nur ein Mal im Leben auf dich zu. Wäre schon schön, wenn man sich auch als Fußball spielende Frau so zurücklehnen könnte, wie die Männer in den Profi-Ligen.
Viele der Nationalspielerinnen haben neben ihrer Fußballkarriere auch einen "richtigen" Beruf. Birgit Prinz ist Physiotherapeutin und hat gerade ihr Psychologie-Studium abgeschlossen, Simone Laudehr ist Soldatin, Celia Okoyino da Mbabi studiert Kulturwissenschaften - hast du mal daran gedacht, eine Ausbildung zu machen?
Ich bin ja bei Ballzauber unter Vertrag und mit denen habe ich vereinbart, dass ich bei denen eine Ausbildung anfangen kann. Etwas im Marketing-Bereich wird es sein.
Schon mal mit dem Gedanken gespielt, Freestyle-Fußball-Workshops anzubieten?
Vor ein Paar Wochen erst habe ich konkret darüber nachgedacht. Weil ich auch oft auf der Straße angesprochen werde, wo man die Tricks lernen kann. Ich werde mich da mit meinem Managment von Fußballmarkt hinsetzen und daran arbeiten, dass ich Workshops geben kann. Das alles wird aber erst nach der WM sein, denn jetzt haben wir einfach nicht die Zeit, da in Ruhe drüber zu reden.
Fußball spielende Mädchen und Frauen werden oft noch als burschikos gesehen. Machst du – wenn dein voller Terminkalender es zulässt – auch gerne Mädchenkram?
Zur Zeit bin ich viel unterwegs. Aber wenn ich mal zu Hause in Berlin bin, treffe ich mich sehr gerne mit Freunden und gehe shoppen - das gehört ja dazu. Und ins Kino gehe ich gern. Abseits des Fußballs bin ich auch einfach nur ein ganz normales Mädchen mit ganz normalen Hobbys. Die muss man ja auch haben, sonst wäre das Leben langweilig.
Wo siehst du dich in 5 Jahren – fußballerisch gesehen?
Ganz weit oben. Auf jeden Fall in der ersten Liga. Bei welchem Verein - keine Ahunung. Ich will Erfolge sammeln. Wenn es mit dem Aufstieg von Tennis Borussia Berlin nicht klappen sollte, kann ich auch wechseln. Nur in Berlin will ich schon bleiben.
Dein Must-Have-Frauenfußballsommer-Accessoire?
Gute Frage. Vielleicht ein Tuch oder einen Hut? Um ehrlich zu sein, trage ich nicht so viele Accessoires. Ich ziehen halt ein Shirt oder ein Trikot zum Spiel schauen an.
Hast du mittlerweile das Gefühl, du wärst Eins mit dem Ball - eine untrennbare Einheit sozusagen?
Auf jeden Fall. Neulich ist mir der Ball geklaut worden und ich war echt den Tränen nahe. Wir haben schon so viel zusammen erlebt. So viele gute Auftritte gehabt. Ich war sehr traurig. Dieser Ball und ich - wir waren wie für einander geschaffen.
Erstellt von: ab
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