Interview mit Leih-Oma Renate Detloff

„Wenn es nötig ist, bin ich da“


Renate Detloff ist seit 2007 Leih-Oma bei Jung & Alt e.V.

Der eingetragene Verein „Jung & Alt“ aus Hamburg knüpft neue Bande zwischen den Generationen. Denn die Zeiten der zusammenhaltenden Großfamilie sind lange vorbei. Angefangen hat alles 1979 mit dem bundesweit ersten Oma-Hilfsdienst, für dessen Gründung Beate Schmidt schon von zwei Bundespräsidenten geehrt wurde.

Das Konzept: Kinderfreundliche Senioren unterstützen Familien, kümmern sich um die Kinder, wenn die Kita zu oder das Kind krank ist, wenn die Tagesmutter ausfällt, wenn berufliche Verpflichtungen mit den Arbeitszeiten der Kinderbetreuung kollidieren – oder wenn die Eltern einfach mal Zeit für sich brauchen.

amicella.de hat mit Leih-Oma Renate Detloff gesprochen.

 

Sie waren die letzten Jahre vor dem Ruhestand Vertriebsleiterin eines internationalen Unternehmens. Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, sich bei „Jung & Alt e.V.“ zu engagieren?

Ich selbst bin alleinerziehend gewesen, nachdem ich meinen ersten Mann, der gewalttätig war, verlassen musste. Alleine mit zwei Kindern war es ganz schön schwer. Die Eltern meines Ex-Mannes hatten sich nach der Scheidung entfernt und meine Eltern waren einfach zu alt, um mir mit den Kindern unter die Arme greifen zu können. Ich war dann mit 64 so weit, dass ich in Rente gehen wollte und habe mir überlegt, was ich mit meiner neuen freien Zeit anfangen könnte. Eigene Enkelkinder habe ich nicht. Ich bin dann zu Veranstaltungen gegangen – zum Beispiel Messen wie „Du und deine Welt“ und „Aktivoli“. An der Idee von „Jung & Alt“ gefällt mir, dass man den Kindern ein bisschen Liebe geben kann, Spaß und Freude mit ihnen hat und dabei auch die Eltern entlastet. Sie sind schließlich auch nur Menschen und brauchen mal Zeit für sich. Ist ja auch für die Kinder wichtig, dass die Beziehung der Eltern funktioniert.

Zahlen & Fakten

170 Ehrenamtliche
230 Projektnutzer, Familien, Senioren, Kindergärten und Altenheime
jährlich 2.000 vermittelte Einsätze
3 hauptamtliche Mitarbeiter
7 Vorstandsmitglieder
9 Kuratoren
100 Vereinsmitglieder

Um Projekte wie den Oma-Hilfsdienst umsetzen zu können, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Auch Sie können die Ehrenamtlichen Helfer unterstützen:

Jung & Alt e.V.

Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 251 205 10
Kto.: 8434901

... oder über das Spendenformular

Mehr Infos zum Oma-Hilfsdienst auf Jung & Alt e.V.

Wie viele Kinder betreuen Sie zur Zeit?

Sechs, zwei davon Geschwister. Insgesamt habe ich schon in etwa 30 Familien geholfen, ich schreibe mir das immer genau auf.

Übernehmen Sie nur die Kinderbetreuung oder machen Sie auch Sachen im Haushalt, wie kleinere Einkäufe oder Bügeln und Ähnliches?

Wenn ich die Kinder von der Kita oder der Schule abhole, dann kochen wir schon mal zusammen, die Eltern haben dann meist etwas vorbereitet. Aber Haushaltsarbeiten mache ich nicht. Das sollen die Leute anders organisieren. Unsere Aufgabe ist es, für die Kinder da zu sein. Natürlich wasche ich ab, wenn die Kinder gegessen haben, es ist ja wichtig, dass die Kinder mitkriegen, dass so etwas sein muss. Bevor die Eltern nach Hause kommen, räumen wir auch auf, damit Mama und Papa sich freuen.

Ist es schon mal vorgekommen, dass Sie sich von einer Familie getrennt haben, weil sie mit dem Kind oder den Eltern überhaupt nicht klarkamen?

Ich bin eine Frau, die stellt gewisse Regeln auf, an die man sich im Umgang miteinander halten muss, das ist mir wichtig. Und es gibt Familien, die erziehen ihre Kinder total anti-autoritär, die dürfen alles machen. Ich akzeptiere das, komme aber nicht gut damit klar. Ich hatte mal eine Familie, da durfte ich dem Kind nicht sagen, dass es etwas nicht machen darf.  Da habe ich mit den Eltern gesprochen, sie mögen sich bitte wieder an den Verein wenden. Es gibt unter den Ehrenamtlichen ältere Leute, die gut mit so etwas umgehen können, das weiß ich auch. So haben wir das dann gelöst. Mit dem Kind kam ich gut klar, aber eben nicht mit den Erziehungsmethoden der Eltern. Wenn ich den Auftrag habe, etwas zu tun, dann müssen sich beide an Regeln halten. Ich will dem Kind ja nichts böses – aber später im Leben muss es ja auch irgendwie mit anderen Leuten klarkommen.

Sie sagten vorhin, Sie seien schon in 30 Familien gewesen. Gab es auch Trennungsschmerz, wenn Sie eine Familie verlassen mussten?

Oh ja. Ich habe mal längere Zeit zwei Mädchen hier in der Nähe betreut, zu denen ich eine richtig gute Beziehung aufgebaut hatte. Die Großmutter war krank geworden und konnte das nicht mehr machen. Irgendwann ist sie aber wieder gesund geworden und dann hat sie die Betreuung ihrer Enkel wieder selbst übernommen. Das ist natürlich eine sehr schöne Sache, aber der Abschiedsschmerz war für mich und die Familie unglaublich groß. Und neulich habe ich einen Brief von einem der Mädchen bekommen, dass sie jetzt aufs Gymnasium geht und das mich das ja sicher interessiert. Unglaublich süß. Sowas freut einen richtig.

 


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