Haben Sie vor diesem Film schon mit deutschen Kollegen zusammengearbeitet?
Maciąg: Es war das erste Mal für mich und anfangs ganz schön schwierig: Ich hatte zwar in der Schule und an der Universität Deutsch gelernt. Jetzt musste ich aber nicht nur die Drehbuchtexte in der fremden Sprache lernen, sondern auch mit dem Regisseur, Kameramann und Beleuchter auf Deutsch sprechen. Lars Jessen spricht sehr, sehr schnell, mit mir genauso wie mit Christian Ulmen. Ich denke auf Polnisch und musste mich sehr konzentrieren, um zu verstehen und gleichzeitig improvisieren und spielen zu können. Aber das klappte dann immer besser.
Gab es Unterschiede zur Arbeit mit polnischen Kollegen?
Maciąg: Ich glaube, dass sich Schauspielerinnen und Schauspieler grundsätzlich in allen Ländern ähnlich sind. Sie alle haben die Fähigkeit, sich als Künstler in vielen Situationen zurechtzufinden und zu bewegen. Deshalb spielt es bei der Arbeit keine große Rolle, aus welchem Land sie kommen. Aber mir ist aufgefallen, dass sich Deutsche strenger an den Drehplan halten.
Die Polen gehen viel großzügiger damit um: Während des Drehs werden laufend Szenen komplett geändert oder verworfen. Ich habe zum Beispiel in einem Film mitgemacht, der in Ägypten gedreht werden sollte. Zwei Tage vorher wurde alles geändert, wir haben dann in Frankreich gedreht. Bei HOCHZEITSPOLKA dagegen lief alles nach Plan.
Wie gut kennen Sie die Deutschen?
Maciąg: Nicht sehr gut. Ich habe zwar vor dem Film schon in Berlin und Köln polnische Freunde besucht, aber dabei wenig Deutsche kennen gelernt. Ich wusste nicht sehr viel über sie, auch nicht über ihre Filme und Stars. Jetzt kenne ich sie ein wenig besser, glaube ich. Ich weiß inzwischen sogar, wer Moritz Bleibtreu ist ...
Dieser Film spielt mit Vorurteilen, Klischees - haben Sie in sich selbst auch welche gegenüber den Deutschen entdeckt?
Maciąg: Die allgemeinen Klischees sind, dass sie wenig Humor haben, sehr akkurat, ernsthaft und praktisch sind. Gleichzeitig sitzen sie in zu großen T-Shirts an langen Tischen und trinken Bier. Davon war einiges auch in meinem Kopf. Zum Beispiel war meine größte Angst, dass ich verschlafen könnte -
die Deutschen sind doch so pünktlich! Eine schreckliche Vorstellung war, dass sie auf mich warten müssen. Auch wenn ich jetzt weiß, dass meine Angst ganz grundlos war, habe ich es wirklich geschafft, immer pünktlich zu sein.
Wie war das Zusammenspiel mit Christian Ulmen?
Maciąg: Anfangs gab es zunächst ein kleines Sprachproblem. Aber er ist sehr professionell, hat Witz und Charme. Es macht Spaß, mit ihm zu spielen. Und ich finde, dass wir als Paar gut zusammenpassen! Das ist ganz wichtig, denn der Zuschauer muss uns unsere Liebe glauben, sonst funktioniert der Film nicht.
Was ist für Sie das Besondere an dem Film?Maciąg: Der Film hat etwas von einem Comic oder Cartoon. Das gefällt mir sehr. Er ist leicht, lustig, auch ein bisschen skurril und grotesk. Er spielt unbekümmert mit ernsten Themen, fast wie ein Kind. Aber er will nie psychologisieren oder belehren. Es wäre schön, wenn er auch in Polen in die Kinos kommt.

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