Wie vertraut sind Ihnen das Land und die Mentalität unserer Nachbarn - waren Sie vor den Dreharbeiten schon in Polen?
Ulmen: Nie zuvor war ich in Polen. Einer meiner besten Schulfreunde war Pole. Oder Halb-Pole. Sein Vater kam aus Krakau. Wir haben aber sehr selten darüber gesprochen.
Sprechen Sie tatsächlich Polnisch?
Ulmen: Selbstverständlich. Allerdings nur die Sätze, die Ingo Haeb ins Drehbuch hinein übersetzen ließ. Und ich spreche sie ohne zu wissen, was genau die Wörter bedeuten. Ich habe sie wie chemische Formeln oder ein dadaistisches Gedicht schlicht auswendig gelernt. Als Klangbrei gespeichert und wiedergegeben. Ich dachte, mit dieser Methode ginge das einfacher, war aber fast härter als das althergebrachte Vokabelnlernen.
Dieser Film spielt mit Vorurteilen, Klischees - haben Sie in sich selbst auch welche entdeckt?
Ulmen: Nö. Ich bin völlig klischeefrei. Obwohl diese Behauptung auch wieder das Klischee des Politisch Korrekten ist. Keine Ahnung.
Ich habe eher auf die moderne polnische Architektur geachtet als auf mich. Beachtliche Villen mit allerhand Säulen vor den Türen stehen da. Oft nur zur Hälfte verputzt.
Frieder hat den coolen Rocker hinter sich gelassen und ist in Polen zu einem eher gesetzten Mann mit Verantwortung geworden. Dieses Leben scheint ihn auszufüllen. Was hat er in der polnischen Provinz gefunden, das ihm Heide nicht bieten konnte?
Ulmen: Eine liebe Frau. Das deutsch-bürgerliche in sich. Und die Dehnbarkeit des Begriffes „cool“.
Haben Sie selbst Jugendfreunde, die Ihnen auf Ihrer Hochzeit peinlich wären?
Ulmen: Natürlich. Aber Hochzeiten sind ja im Grunde für nichts anderes gemacht als peinliche Momente.
Gibt es für Sie eine Lieblingsszene in diesem Film?
Ulmen: Ich finde, Gosia, meine Filmfrau, singt sehr schön im Duett mit dem polnischen Pfarrer auf dem Weg in die Kirche. Das könnte ich immer wieder hören.
Fällt Ihnen ein Polen-Witz ein?
Ulmen: Ja. Oder? Nee. Ich muss kurz nachdenken. Warten Sie. Irgendwas mit abhanden gekommenen Handys, oder? Ich komme jetzt grad nicht drauf...

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