


Vor etwa zweihundert Jahren wäre man als Frau noch stolz gewesen, mit kleinen erotischen Erhebungen an Beinen und Bauch, Portrait stehen zu dürfen.
Heute jedoch mischen sich Scham und sogar Ekel mit dem Bedürfnis, einen perfekten Körper mit pfirsichglatter Haut zu präsentieren. Ob im Schwimmbad, am Strand oder im Mini, wer Bein zeigt, schaut vorher genau, ob auch alles so sehenswert ist, wie es nach gängigem Schönheitsideal sein soll.
Skulpturen und Malereien der letzten Jahrhunderte lehren uns: Schönheit liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sondern auch im Zahn der Zeit. Die Maler des Barock setzten auf weibliche Grazie mit Körperfülle, Bauch und Hüften.
Rubens betrachtete die Po- und Bein-Grübchen augenscheinlich als Teil einer erwachsenen Frau. Im 16. Jahrhundert malte er kurvige Frauen en masse, mit oder ohne Dellen, und das häufig mit Betonung auf Weiblichkeit in einem erotischen Kontext. Und wer könnte sich eine Darstellung der Venus, der römischen Göttin der Liebe, des erotischen Verlangens und der Schönheit, ohne ein gebärfreudiges Becken vorstellen?
Die klassische weibliche Frauenfigur hat im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer mehr an Popularität eingebüßt. Etwa seit den 1960er Jahren liegt der Fokus verstärkt auf dem fehlenden "Beinkleid". Was vorher züchtig verborgen wurde war nun auch auf der Straße sichtbar. Miniröcke wurden populär und der Ausdruck von (sexueller) Freiheit zeigte sich in offenherzigen Outfits. Gut möglich, dass die Beauty-Industrie zu diesem Zeitpunkt auf den Plan gerufen wurde und neue sichtbare Gebiete für sich entdeckt hat, die es schleunigst zu "verbessern" galt.
Nicht nur weibliche Formen mit Dellen sind mit der Zeit aus der Mode gekommen. Auch die viel diskutierte Achselbehaarung hat bessere Zeiten hinter sich. Noch in den 70er Jahren ließen sich Frauen gerne kleine Büschel unter den Armen stehen. Genauer betrachtet war dies damals keine Mode, sondern einfach normal. Doch schon 1915 warben Hall & Ruckel für Enthaarungsprodukte (Bild links). Hatten sie recht? Zumindest beim Tanz im ärmellosen Kleidchen möchte man seinem Partner schließlich keinen Wald entgegenstrecken!
Deutsche Frauen tragen im Schnitt Größe 40-44. Beauty-Hersteller Dove entdeckte diesen Markt für sich und setzte mit der Kurvenstars-Kampagne auf auf natürliche Frauen - allerdings ohne Cellulite, die wohl noch lange unerwünscht bleiben wird. Die Devise: Geben wir den Frauen Selbstbewusstsein und schüren dennoch den Wunsch nach Schönheit. So werden betont "straffe" Kurven als Ideal angepriesen und Frauen cremen dennoch fleißig weiter. Glatte, schimmernde Haut ist nach heutigem Verständnis einfach schön - und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben!
Erstellt von: mr

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