
Die eigenständige Existenzsicherung von Frauen durch Erwerbsarbeit ist eine zentrale Forderung des Deutschen Frauenrates, die inzwischen auch von der Politik übernommen worden ist.
Dass geringfügige Beschäftigungen oder Teilzeitarbeit dies kaum gewährleisten, ist bekannt. Vor diesem Hintergrund zeigt sich der Deutsche Frauenrat irritiert über eine Meldung des Instituts der deutschen Wirtschaft vom 1. Juli 2010, in der die Expansion der Teilzeit als tragende Säule des Arbeitsmarkterfolgs gelobt wird und die negativen Folgen von Teilzeitbeschäftigung für die soziale Sicherung in Abrede gestellt werden.
In dem Bericht wird u.a. auch die Behauptung aufgestellt, dass 80 Prozent der "Teilzeiter" mit weiteren Erwachsenen in einem Haushalt lebten, meist vollzeit-beschäftigten Partnern, durch die sie auch im Alter finanziell abgesichert seien. Die mit den Rentenbeiträgen der Teilzeitkraft erworbenen Ansprüche seien daher nur ein "Zubrot", von dem die meisten nicht leben müssten. Diesen Behauptungen widerspricht der Deutsche Frauenrat entschieden.
Marlies Brouwers, Vorsitzende der Frauenlobby sagte dazu:
"Der 'Teilzeiter' ist zu über achtzig Prozent eine Frau. Immer mehr Frauen teilen sich ein Arbeitszeit- und damit auch ein Lohn- und Gehaltsvolumen, das stabil bleibt, also nicht wächst. Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in einem Teilzeitverhältnis. Ob die meisten sich freiwillig dafür entscheiden, weil sie so die Erwerbs- und Familienarbeit besser vereinbaren können, steht sehr in Zweifel.
Eher ist davon auszugehen, dass die immer noch unzureichende Betreuungsangebote für Kinder aber auch alte Menschen viele Frauen in eine Teilzeitbeschäftigung zwingen. Immerhin ist die Zahl derer, die in Teilzeit arbeiten, obwohl sie eine Vollzeitstelle wünschen seit 1998 von 13 Prozent auf heute 23 Prozent gestiegen. Das kann wohl kaum als Erfolg der Arbeitsmarktpolitik betrachtet werden. Zudem bestreiten laut Statistischem Bundesamt vom April 2009 rund 60 Prozent der Teilzeitbeschäftigten nach eigenen Angaben den weitaus größten Teil ihres Lebensunterhalts aus ihrem eigenen Einkommen. Das hat gravierende Auswirkungen auf ihre spätere Rente."
"Das 1,5-Ernährermodell mit einem Hauptverdiener und einer Zuverdienerin geht nicht nur an der Realität vorbei, es wiederspricht auch dem Gleichstellungsgrundsatz. Der Deutsche Frauenrat erwartet daher von Wirtschaft und Politik geeignete Maßnahmen, die ungewollte Teilzeitbeschäftigung verhindern und Frauen wie Männern ermöglichen, gleichberechtigt und partnerschaftlich Berufs- und Familienarbeit zu vereinbaren, ohne dabei die eigene Existenzsicherung zu gefährden. Vom Institut der Deutschen Wirtschaft erwarten wir eine differenzierte Wahrnehmung der Realität und eine entsprechende Berichterstattung", so Marlies Brouwers, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates.
Quelle: www.frauenrat.de
Erstellt von: fy