Nun ist es schon fast vier Jahre her, dass Theresa Meingast mit ihrem Mann und seinen zwei Kindern die vertraute Heimat hinter sich gelassen hat und nach Australien gereist ist.
16 Jahre hat Theresa mit ihrem Mann Herwig einen Landgasthof im Salzkammergut betrieben, danach ein Geschäft für Feinkost und Lifestyleprodukte. In Melbourne bauen sie gerade ein Geschäft auf, spezialisiert auf handgefertigtes Sauerteigbrot aus Roggen und Dinkel.
Was bewegt einen Menschen, sich auf in die große weite Welt zu machen ohne zu wissen was ihn dort erwartet? Risiken auf sich zu nehmen, die nicht notwendig sind, wenn man sein halbes Leben in festen und sicheren Strukturen und in gewohnter Umgebung gelebt hat? Im Interview erzählt Theresa von ihren Erfahrungen bei der Existenzgründung, dem Auswandern mit zwei Teenagern und verrät was die australische Stadt Melbourne für sie so liebenswert macht.
Wir kamen vor 15 Jahren das erste Mal nach Australien, um hier drei Monate Urlaub zu machen. Uns hat es auf Anhieb so gut gefallen, dass wir beschlossen wieder zu kommen. Danach folgten weitere Urlaube. Herwig wollte schon nach dem ersten Urlaub hierbleiben, danach haben wir jahrelang darüber geredet. Und dann definitiv ein halbes Jahr vorher angefangen zu planen.
An einem Tag fanden sie die Idee, auf die andere Seite der Erde zu ziehen, gut, am anderen wieder nicht. Das änderte sich ständig. Sie wussten ja auch nicht, was sie erwartet. Im Alter von 14 und 15 Jahren war das alles für sie irgendwie ein großes Abenteuer. Beide haben erst kurz vorher angefangen die Situation zu realisieren, nämlich als wir unser Haus vermietet und die letzten Wochen bei Verwandten gewohnt haben. Als wir dann in Melbourne ankamen, waren die ersten Wochen noch sehr aufregend und witzig. Das änderte sich schlagartig als die Schule anfing uns sie ihre Freunde vermissten. Alles war anders - und dazu noch die Schuluniformen, die aussahen wie Ur-Omas Kleiderschürze. Ein halbes Jahr lang sorgte das zu Hause für ziemlichen Stress. Aber wir hatten noch immer den Backup-Plan zurück nach Mondsee gehen zu können, da wir unser Haus noch haben. Nach einiger Zeit hat sich dann alles normalisiert.
Eigentlich lief alles ziemlich rund. Ich hab wochenlang auf der Einwanderungsbehörde verbracht um unsere Visaangelegenheiten unter Dach und Fach zu bringen. Die sagen einem dort nicht, was man für Möglichkeiten hat, das muss man alles selbst herausfinden. Mit viel Eigeninitiative hab ich das dann auch hinbekommen. Vorerst habe ich noch ein Studenten-Visum und studiere Visual Arts, deswegen darf meine Familie auch hierbleiben. Wir planen aber in den nächsten Monaten ein Business-Visum zu beantragen. Vor einem Jahr haben wir uns selbstständig gemacht, da ich hier auch als Nicht-Australier mit meinem Studenten-Visum einen Betrieb aufmachen darf solange ich nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeite. Da ich ja noch ca. 30 Stunden an der Uni bin ist diese Regelung für mich absolut in Ordnung.
Lustig und ungewohnt. Die erste Zeit war das nicht einfach, studieren in einer fremden Sprache ist halt doch etwas anders als sich nur zu unterhalten. Außerdem hat sich ja einiges geändert seitdem ich auf der Kunstgewerbeschule war. Nach der Schule war ich gefühlte 7000 Jahre im Gastgewerbe. Aber es war nicht nur das Studium bei dem alles neu war, sondern der ganze Alltag, alleine schon das Einkaufen im Supermarkt.
Ich bin froh das unsere Kinder die Grundausbildung im Österreich machen konnten. Es kommt natürlich sehr darauf an was man machen will. Da beide Kinder in kreative Berufe gehen wollen ist es hier vielleicht sogar besser. Sebastian will Musiker werden und Marie studiert Visual Arts. Ich finde die Ausbildungsmöglichkeiten für kreative Berufe speziell für "contemporary arts and music" sind hier vielfältiger und individueller.
Hier bin ich nicht ständig unter Beobachtung und kann einfach mein Ding machen. In Österreich kann man ja nicht einmal unbeobachtet den Mistkübel ausleeren. Hier sind die Leute ihren Mitmenschen gegenüber um einiges toleranter, sie stellen nicht immer alles in Frage. Eher im Gegenteil, sie unterstützen einen mehr und bekräftigen einen in seiner Entscheidung.
Modisch ist alles erlaubt was gefällt. Jeder kann sich so darstellen, wie er sich selbst am besten findet und keiner eckt irgendwo an. Das ist für einen Europäer am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig
Erstellt von: mr

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