Die größte Stadt Islands ist vergleichsweise klein: Nur rund 123.000 Menschen und damit über ein Drittel aller Einwohner des Landes teilen sich den Winkel im Süden der Insel. Und leben damit an einem besonderen Fleck: In Reykjavík trifft außergewöhnliche Architektur auf eine malerische Innenstadt und modernes Stadtleben kontrastiert mit seiner Lage inmitten der rauen Natur.

Übersetzt bedeutet Reykjavík "Rauchbucht", ein Name, der von den zahlreichen heißen Quellen herrührt, für die Island so berühmt ist. Für Sonnenanbeter ist diese Stadt allerdings nichts: Aufgrund der Nähe zum nördlichen Polarkreis zeigt die Sonne an den kürzesten Tagen nur vier Stunden lang ihr Gesicht. Im Sommer ist es dafür auch nachts hell. Warm wird es trotzdem nicht: Selbst zwischen Juni und August knackt das Thermometer nur selten die 20-Grad-Marke.

Trotz der Dunkelheit ist der Winter die ideale Reisezeit, um Reykjavík und Umgebung zu erkunden. Zwischen September und April kann es zwar kalt und ungemütlich werden, doch dafür entfalten zu dieser Zeit die berühmten Nordlichter ihre magische Wirkung. Auch die faszinierenden Eishöhlen kann man nur zwischen November und März erleben, denn sie schmelzen, sobald sich der Frühling ankündigt. Viele der isländischen Hauptattraktionen locken im Winter mit reduzierten Preisen und während Island-Reisen im Sommer längst kein Geheimtipp mehr sind, sind die Must-Sees in der dunklen Jahreszeit deutlich weniger besucht.

Ob ihr die Hauptstadt Islands nun im Sommer oder Winter entdecken wollt, diese Sehenswürdigkeiten solltet ihr in Reykjavík auf keinen Fall verpassen!

Preisgekrönte Architektur: Das Konzerthaus Harpa

Mit der Harpa, auf Deutsch Harfe, beherbergt Reykjavík eines der modernsten Konzerthäuser der Welt. Hier sind das isländische Sinfonieorchester und die isländische Oper angesiedelt. Berühmt ist die Harpa allerdings vor allem für ihre erstaunliche Architektur. Das Gebäude besteht zu einem Großteil aus speziell beschichtetem Glas, das auf das Klima und die Tageslichtfarbe reagiert. Je nach Blickwinkel und Wetterlage schillert das Konzerthaus in einer anderen Farbe. Seine volle Pracht entfaltet die Harpa (harpa.is) dann zu Abend, wenn sie in der Dunkelheit wunderschön illuminiert wird.

Ausblick über die Stadt: Perlan

Seit 1991 versorgt der Warmwasserspeicher mit der riesigen Kuppel Reykjavík mit warmem Wasser und beheizt im Winter Straßen und Gehwege. Perlan, die Perle, beherbergt aber nicht nur Technik: Im Perlan Museum – Wonders of Iceland (perlanmuseum.is) kann man einen künstlichen Gletscher inklusive Eishöhle und einen nachgebildeten Geysir bestaunen, der regelmäßig ausbricht. Ab Herbst 2018 kommt ein Planetarium dazu. Die große Aussichtsplattform bietet einen tollen Blick über ganz Reykjavík und Umgebung. Auch vom hauseigenen Restaurant aus kann man die Hauptstadt von oben betrachten, und zwar aus jeder Perspektive, denn das Lokal unter der Kuppel dreht sich innerhalb von zwei Stunden einmal um die eigene Achse. Die Kuppel selbst ist ebenfalls eine Sehenswürdigkeit: Hunderte Lampen erzeugen die Illusion eines Sternenhimmels, dazu reflektieren spezielle Spiegel den Himmel und manchmal sogar die Nordlichter in ihr Inneres.

Gotteshaus im Gletscher-Gewand: Hallgrimskírkja

Die größte Kirche Islands kann man aus ganz Reykjavík sehen. Sie wurde in zwei Stilen erbaut: Ihre weiße Fassade ist expressionistisch gehalten und soll in Form und Farbe an einen Gletscher erinnern. Drinnen sieht es klassisch gotisch aus und auch hier hat man an die Natur gedacht: Ein großes Fenster hinter dem Hauptaltar lässt den Blick frei auf Himmel und Wolken. Ein Fahrstuhl bringt Besucher auf den Turm der Hallgrimskírkja (hallgrimskirkja.is) und ermöglicht ihnen einen Ausblick auf die ganze Stadt.

Teich mit Rathaus: Der Stadtsee Tjörnin

Mitten in Reykjavíks Altstadt schmiegt sich das Wasser des Tjörnins, dem Teich, an Straßen und Gebäude. Dank der geothermalen Wärme dient der See Scharen von Enten, Schwänen und Gänsen als Winterquartier. Mitten hinein in das Gewässer ragt der moderne Bau des Reykjavíker Rathauses. Über einen Steg erreicht man den Eingang und betritt die große Halle, aus der man einen besonders guten Blick auf die Vögel auf dem See hat. Hier findet man auch ein großes Islandmodell, das jeden Gletscher, Vulkan oder Berg der Insel maßstabsgetreu abbildet.

Flanieren und Shoppen: Laugavegur und Skolavordustigur

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Ein kleiner Einkaufstrip gehört eigentlich zu jeder Städtereise dazu. Die Reykjavíker Einkaufsstraßen Laugavegur und Skolavordustigur eignen sich dafür am besten. Während in der Laugavegur eher exklusive Läden und Souvenirshops auf zahlkräftige Kunden warten, findet man in der Skolavordustigur auch jede Menge Kunst und Design. Beide Straßen sind außerdem für ihre Dichte an Bars, Clubs und Lokalen bekannt. Im Sommer, wenn es in Reykjavík auch abends nicht mehr dunkel wird, sind die Gassen Tag und Nacht bevölkert von fröhlichen Isländern.

Vulkangebirge: Der Hausberg Esja

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Malerisch, ja majestätisch, thront im Hintergrund des Stadtbildes stets der Hausberg Esja über Reykjavík. Der Gebirgszug befindet sich etwa 10 km von der Stadt entfernt. 914 m Höhe misst der Berg aus Vulkangestein und lädt nicht nur zum Staunen, sondern auch zum Erkunden ein. Zahlreiche Wege und Klettersteige führen über das Gebirge aus Vulkangestein. Auch zwei ausgeschilderte Wanderrouten gibt es. Die Anfahrt mit dem Auto ist übrigens kein Problem, denn direkt an der Straße Hringvegur befindet sich ein großer Wanderparkplatz.

Magie der Natur: Nordlichter

Zwischen September und April hat man auf Island die Chance, die Polarlichter zu beobachten, das wohl schönste aller Naturschauspiele. Wenn elektrisch geladene Teilchen des Sonnenlichtes auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und die dort vorhandenen Luftmoleküle zum Leuchten bringen, erstrahlt die Nacht in einem Farbenspiel aus Blau, Grün, Violett und Gelb. Um die Aurora borealis beobachten zu können, muss es dunkel und der Himmel klar sein. Obwohl das Spektakel auch im Sommer stattfindet, haben nur Winterreisende die Chance, die Nordlichter zu Gesicht zu bekommen, denn die isländischen Sommernächte sind schlicht zu hell.

Natürliche Springquellen: Geysire

Island, das Land aus Feuer und Eis, ist geprägt durch Gletscher, Vulkane – und Geysire. Etwa eine Autostunde von Reykjavík entfernt brodelt und dampft es Tag und Nacht. Alle paar Minuten brechen die aktivsten der heißen Fontänen aus, darunter auch der bekannte Geysir Strokkur, der sein Wasser im 10-Minuten-Takt bis zu 35 m in die Höhe schießt. Ein solches Naturspektakel zieht natürlich viele Schaulustige an. Das Geysirgebiet ist eine der beliebtesten Touristenattraktionen der Insel. Wer die Fontänen für sich haben möchte, sollte sich deshalb schon früh morgens auf den Weg machen.

Goldener Wasserfall: Gullfoss

Wenige Autominuten von den Geysiren entfernt liegt der Gullfoss, der goldene Wasserfall. Hier stürzt sich das Wasser ganze 32 m in die Tiefe. Bei Sonnenschein leuchten regelmäßig Regenbogen auf. Rundherum gibt es zahlreiche Plattformen, von denen aus man das Naturphänomen beobachten kann. Unter Naturschutz steht der Wasserfall übrigens erst seit 1979, zuvor wäre er bei dem Versuch, einen Staudamm zur Stromerzeugung zu bauen, beinahe zerstört worden.

Heiße Quellen: Die Blaue Lagune und natürliche Hotpots

Genauso wie für seine Geysire ist Island für seine heißen Quellen bekannt. Unter Touristen ist besonders das Geothermalbad Blaue Lagune beliebt, das rund 40 Autominuten von Reykjavík entfernt liegt. Auf über 5.000 m2 Fläche bahnt sich das heiße Wasser seinen Weg nach oben und löst dabei zahlreiche Mineralien aus der Erde, unter anderem Kieselsäure, die das Wasser strahlend türkisblau färbt. Das sieht nicht nur überwältigend aus, sondern soll auch bei vielen Hautkrankheiten eine lindernde Wirkung haben. Der Eintritt für die heiße Quelle kostet um 45 Euro, die Eintrittskarten sollte man bereits im Voraus reservieren.

Wer typische Touristenmagneten lieber meidet, kann alternativ das Geothermalbad Nauthólsvík (nautholsvik.is) am Stadtrand von Reykjavík ausprobieren. Das wird hauptsächlich von Einheimischen genutzt und ist deutlich weniger überlaufen als die Blaue Lagune. Noch ungestörter ist man an den vielen natürlichen, teilweise versteckten Hotpots, die überall über der Insel verteilt liegen. Den nächsten Hotpot findet man ganz einfach über die Website Hotpot Iceland (hotpoticeland.com).

Naturschauspiel-Flatrate: Der Golden Circle

Islands berühmte Rundreise-Route führt auf 300 km Länge einmal rund um Reykjavík und verbindet die wichtigsten Naturwunder der Insel miteinander. Vorbei an Vulkankratern, Wasserfällen und heißen Quellen führt die Route unter anderem entlang der Blauen Lagune, dem Geysirgebiet, dem Wasserfall Gullfoss, dem Vulkankratersee Kerio und dem Nationalpart Thingvellir. Regelmäßig starten geführte Bustouren in Reykjavík, mit einem Mietwagen kann man die Ringstraße aber auch auf eigene Faust erkunden. Wer wenig Zeit hat, steuert innerhalb eines Tages die wichtigsten Stationen an, mehr sieht man, wenn man sich zwei bis drei Tage Zeit nimmt.

Ausstellung mit Standkraft: Das Isländische Phallusmuseum

Natur im etwas anderen Sinne kann man im Isländischen Phallus-Museum (phallus.is) mitten in Reykjavíks Einkaufsstraße Laugavegur bestaunen. Die Ausstellung zeigt 280 Penisse von 93 Arten, ausgestopft, getrocknet oder eingelegt, darunter allein 55 von Walen. Seit einigen Jahren gibt es auch einen menschlichen Penis zu sehen. Nachdem sich auf einen Aufruf hin weltweit vier Männer gemeldet hatten, die nach ihrem Tod ihre Männlichkeit dem Museum zur Verfügung stellen möchten, war es 2011 beim ersten Spender so weit. Allerdings kam es bei der Abtrennung zu Problemen. Heute ist deshalb nur eine verschrumpelte graubraune Masse übrig, die in einem Glas eingelegt ist. Laut Museumsdirektor soll das nächste Exemplar deshalb von einem jüngeren und besser bestückten Spender stammen. Übrigens stellt das Museum auch die Penisse von Elfen und Trollen aus. Da diese Wesen laut isländischer Mythologie aber unsichtbar sind, sind die Ausstellungsstücke für das menschliche Auge leider nicht sichtbar.