Die skandinavischen Länder sind dafür bekannt, dass hier die glücklichsten Menschen der Welt leben. Was gerne mit dem Reichtum und Wohlfahrtssystem der nordischen Länder erklärt wird, wollen wir an dieser Stelle um einen kleinen aber feinen Punkt ergänzen: Die skandinavische Tradition des Wochenbetts.

Das Wochenbett ist die Zeit, in der frischgebackene Mütter sich von den Strapazen der Geburt erholen und eine intensive, sehr intime Kennenlernphase mit ihrem Kind erleben. Hiervon sind die Papas natürlich nicht ausgeschlossen – doch die körperliche Erholung, für die eine Frau die ersten Wochen viel Zeit im Bett verbringt, ist natürlich für die Mamas vonnöten.

Das Wochenbett beträgt meist 8 Wochen, wobei man in dieser Zeit nicht wirklich nur im Bett liegt. Wichtig ist, dass man sich unbedingt schonen muss, da der Körper wieder langsam zu Kräften kommen und heilen soll. In den Grundzügen der frühen und späten Wochenbett-Phasen unterscheidet sich die deutsche Tradition auf den ersten Blick nicht von der skandinavischen:

Das frühe Wochenbett

In den ersten 10 Tagen, dem frühen Wochenbett, bildet sich die Gebärmutter zurück, die Milch bildet sich, man gewöhnt sich an das Stillen und an den Umgang mit dem Baby. Diese Phase ist körperlich kräftezehrend, da zuvor wegen der Schwangerschaft Unmengen an Hormonen produziert wurden, die nun von heute auf morgen abgebaut werden. Das kann zu starken Stimmungsschwankungen führen, auch als „Baby Blues“ bekannt. Im frühen Wochenbett ist, abgesehen von der Hebamme, kein Besuch erwünscht, da Ruhe nicht nur für die Mutter, sondern auch für das Kind essentiell ist.

Das späte Wochenbett

Das späte Wochenbett, das bis zur 8. Woche andauert, erlaubt etwas mehr Aktivität der Mutter. Die Hormone pegeln sich langsam wieder ein, Wasser wird abgebaut, man wird langsam wieder fitter und auch das Baby ist bereit neue Eindrücke der Welt zu verarbeiten. Jetzt können die ersten Spaziergänge unternommen werden, doch körperliche Anstrengung ist immer noch absolut verboten. Hausputz, Wocheneinkauf und generell schweres Tragen sind absolut untersagt.

Soweit so gleich in skandinavischen Ländern. Die Tradition dort bietet jedoch etwas, das selbstverständlich sein sollte, bei uns aber oft fehlt: Unterstützung von Freunden und Familie während der Zeit des späten Wochenbettes.

Das skandinavische Vorbild

Im späten Wochenbett ist Besuch wieder erlaubt. Zwar sollte nicht die ganze Großfamilie auf einmal vorbeikommen, doch ab und zu mal jemanden da zu haben, ist völlig okay. Leider ist es besonders bei uns so, dass viele Frauen den Druck verspüren sofort nach der Geburt wieder so zu funktionieren, als wäre nichts gewesen. Das führt zu Stress und kann sich sogar körperlich in Form von starken Nachblutungen und Milchstau rächen. Die skandinavische Tradition lässt dieses Phänomen erst gar nicht zu. Hier ist es üblich, dass jeder, der zu Besuch kommt, etwas mitbringt, z. B. frisch gekochte Hausmannskost für die ganze Familie, und es ist auch nicht selten, dass jemand vorbeikommt, um zu Putzen. Die Mutter darf während dieser Zeit mit dem Baby im Arm im Bett liegen und sich ganz in Ruhe um das Kümmern, was für sie vorgesehen ist: Bindung und Intimität mit ihrem Kind und vor allem auch Erholung.

Das sagt die Redaktion:

Wir wollen Mütter auch wie Königinnen behandeln!
Wenn jemand eine Freundin oder Bekannte hat, die demnächst auf das Wochenbett angewiesen ist, wie wäre es da mit einer leckeren Lasagne? Und wenn man schon zu Besuch kommt, kann man sich doch gleich noch den Putzlappen schnappen oder?